In der Schule haben wir gelernt, dass wir bei der förmlichen Anrede die Pronomen alle gross schreiben. Dazu wird die 3. Person Plural verwendet, die gleichzeitig gebraucht wird, um über Menschen oder Dinge zu sprechen, diesmal jedoch klein geschrieben.
Diese Unterscheidung fällt jedoch manchem nicht leicht. Bei Interviews in der geschriebenen Presse werden regelmässig „sie, die Mitmenschen“ und „Sie, die Person vor mir“ verwechselt. Notabene von bei Gratiszeitungen und etablierten Blättern tätigen Journalisten gleichermassen.
So wurde unser abgestürzter Held für Oslo nach dem Ausscheiden im Halbfinal von Blickonline gefragt:
Blick online 27. Mai 2010
Wie bereits erwähnt, wird im Deutschen die 3. Person Plural für die Höflichkeitsform verwendet. Doch dies ist nicht bei allen Sprachen der Fall. Im Französischen wird die 2. Person Plural verwendet, ebenso (und möglicherweise in Anlehnung daran) im Berndeutschen: „Herr Rossi, was nämmet Ihr?“
Im Italienischen hingegen wird auch die 3. Person verwendet, jedoch im Singular, und die Pronomen werden ebenfalls gross geschrieben: „Signor Rossi, Lei cosa prende?“ (Italienischlernende fragen an dieser Stelle oft „Cosa prende voi?“, selbst wenn nur eine Person angesprochen wird, weil sie die Regeln aus dem Französischunterricht so verinnerlicht haben, dass für sie nichts anderes in Frage kommt.)
In Sachen Gross- oder Kleinschreibung beim Personalpronomen der direkten Rede den Vogel abgeschossen hat Blick online diesen Frühling mit einem ungewollten Schuss Italianità:
Blick online 21. März 2010

